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Zwergtaucher mit Jungen

Der Zwergtaucher ist der kleinste Lappentaucher und verwandt mit dem Haubentaucher. Die Übersetzung seines wissenschaftlichen Namens Tachybaptus ruficollis lautet „Rothalsiger Schnelltaucher“. Die Vögel sind in der Tat exzellente Schwimmer und Taucher. Auch bei Gefahr verschwinden sie blitzschnell unter die Wasseroberfläche.

Zwergtaucher Titelbild

Männchen und Weibchen sind amselgross und sehen fast gleich aus, das Männchen ist etwas grösser. Ansonsten gibt es keinen Geschlechtsdimorphismus. Das Gewicht beträgt 130 bis 230 g, entspricht also ungefähr zwei Tafeln Schokolade. Im Brut- oder Prachtkleid ist der Zwergtaucher intensiver und dunkler gefärbt. Brust, Hals und Wange leuchten rostbraun, die Unterseite ist weiss glänzend. Auffällig sind der dunkle, kurze Schnabel mit weisser Spitze und vor allem der leuchtende, gelbliche Schnabelwinkel.

Zwergtaucher werden gerne übersehen, da ihr Gefieder unauffällig ist und sie in der Regel sehr scheu sind, vor allem während der Brutzeit. Oft werden sie mit jungen Enten verwechselt.

Zwischen August und Dezember trägt der Zwergtaucher sein Schlicht- oder Winterkleid. Die Gefiederfärbung ist dann heller, die Farben wirken verwaschen. Der gelbliche Mundwinkel ist fast nicht mehr zu sehen.

Zwergtaucher Schlichtkleid

Von Januar bis April wechselt der Zwergtaucher ins Prachtkleid, die Balzzeit beginnt im März/April. Charakteristisch sind in dieser Zeit die Balztriller, Männchen und Weibchen trillern auch im Duett. Dieser Gesang tönt wie das hohe Wiehern eines Pferdes. Weitere Balzrituale sind schnelles Entgegenschwimmen, Parallelschwimmen und die Präsentation von Nahrung.

Zwergtaucher Prachtkleid

Der bevorzugte Lebensraum während der Brutzeit sind kleinere Stillgewässer, langsam fliessende Bäche oder Flüsse. Eine wichtige Voraussetzung sind Verlandungszonen und eine genügend dichte Ufervegetation, beispielsweise ein Schilfgürtel.

Zwergtaucher Lebensraum

Auch Nahrungsvorkommen wie Wasserinsekten und Fischchen spielen eine grosse Rolle. Die Insekten picken sie von der Wasseroberfläche ab oder von Pflanzen, Amphibienlarven und Fischbrut bereichern den Speiseplan. Als wendiger Taucher holt der Vogel Fische bis 10 cm Länge aus einer Wassertiefe von bis zu 50 cm, teilweise taucht er aber bis 2 m tief oder mehr.

Das Nest des Zwergtauchers ist gut versteckt in der Ufervegetation, in flachem Wasser ist es ein aufgeschichteter Haufen aus Pflanzenteilen. In tieferem Wasser wird das Nest an Uferpflanzen verankert, es ist ein so genanntes „Schwimmnest“ und passt sich dem schwankenden Wasserstand nach oben und unten an.

In der Regel gibt es zwei Jahresbruten. Die Paarung findet auf dem Nest statt. Ein Gelege umfasst 4 bis 6 Eier. Beide Altvögel brüten, die Bebrütung beginnt ab dem zweiten oder dritten Ei. Sind beide Eltern vorübergehend abwesend, wird das Nest mit Pflanzenteilen zugedeckt.

Zwergtaucher auf Nest

Die Küken schlüpfen nach 20 bis 21 Tagen. Sie muten wie „Plastik-Schwimmentchen“ an. Ihre Gesichtsstreifung ist viel weniger ausgeprägt als beim verwandten Haubentaucher. Die Eltern überbringen ihren Sprösslingen die Nahrung von Schnabel zu Schnabel.

Zwergtaucher Kueken

Das Dunenkleid der Jungen ist wasserdicht und sie können bereits in den ersten Lebenstagen gut geschützt die Welt erkunden. Trotzdem benützen die kleinen Zwergtaucher ihre Eltern gerne als Wassertaxi: Sie klettern auf den Rücken von Mutter oder Vater, machen es sich im warmen Federkleid gemütlich und lassen sich herumchauffieren. Droht Gefahr aus der Luft, tauchen die Altvögel samt Küken unter.

Nach 30 bis 40 Tagen sind die Jungvögel selbstständig, bleiben aber in der Nähe der Eltern. Flügge sind sie im Alter von 44 bis 48 Tagen.

Für Prädatoren wie Krähen, Rohrweihe, Graureiher und Hechte sind junge Zwergtaucher willkommene Leckerbissen. Eine Gefährdung droht ihnen aber noch von ganz anderer Seite: schwindende Lebensräume infolge von Trockenlegung von Sümpfen, Auenlandschaften und Gewässern, Rückgang von Schilfbeständen, intensive Fischwirtschaft, verschmutzte Gewässer, vor allem durch intensiv gedüngte, landwirtschaftliche Nutzflächen. Störungen verursachen auch Freizeitaktivitäten wie Angeln, Wassersport und Badebetrieb. Den Vögeln wird so mancherorts ein ungestörtes Brüten verunmöglicht.

Zwergtaucher haben ein grosses Verbreitungsgebiet: die gemässigte und subtropische Zone Eurasiens und in vielen Teilen Afrikas. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft vom Norden Grossbritanniens bis Nordjapan.

In Europa beherbergen Deutschland, Grossbritannien, Ungarn und Polen rund die Hälfte des europäischen Bestands mit ungefähr je 10‘000 Paaren. Der Brutbestand in der Schweiz wird auf 600 bis 800 Paare geschätzt.

Der europäische Bestand ist stabil, es kann in harten Wintern aber zu Bestandeseinbrüchen kommen. Zwergtaucher sind Standvögel, Teilzieher oder Zugvögel. Brutvögel aus Nordeuropa sind Zugvögel. Sie ziehen ans Schwarze Meer, Mittelmeer und an die Atlantikküste. Vögel, die in Mitteleuropa brüten, bleiben in ihrem Brutgebiet. Allenfalls weichen sie auf nicht zufrierende Gewässer wie Flussläufe oder Seen aus. So kann es ausnahmsweise zu grossen Ansammlungen auf Seen kommen.

 

Zwergtaucher T

 

Die ausführliche Dokumentation zum heutigen Vogel des Monats für den Unterricht finden Sie hier: der Zwergtaucher.

Ich danke Edith und Beni Herzog herzlich für die interessanten Informationen und die wunderbaren Fotos. Auf ihrer Webseite benifotos.ch sind die Bilder grösser und noch prächtiger zu sehen.

 

 

Zielgruppe: 3. - 6. Klasse
Bezug Lehrplan 21: NMG 2.1    NMG 2.3    NMG 2.4    NMG.2.6

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