Newsflash

Rechtschreibung

Die Rechtschreibung nach Duden weicht in der Schweiz teilweise von den Regeln in Deutschland und Österreich ab. Sie finden deshalb viele Lehrmittel zusätzlich als überarbeitete Versionen. Sie sind mit D/A bezeichnet.  

Unserem Webmaster Ivo sei Dank! Er hat ein spannendes, philosophisches und auch etwas surreales Thema aufgegriffen und daraus dieses Essay erstellt. Aber lesen Sie selber:

Jeder Satz, der je geschrieben wurde und je geschrieben wird, steht in der Bibliothek von Babel. Gratis.

Unmöglich?

desmazierescolor

Jorge Luis Borges, geboren am 24. August 1899, verstorben am 14. Juli 1986, war ein argentinischer Schriftsteller und Bibliothekar. In seiner philosophischen und futuristischen Erzählung Die Bibliothek von Babel stellte er das Universum als Bibliothek mit unendlichen, hexagonal angeordneten Galerien vor, welche jeden nur erdenklichen Text enthalten. Texte welche schon geschrieben wurden und Texte, welche noch geschrieben werden.

In seinem 1939 erschienen Essay La Biblioteca Total schrieb er:

„Alles wird in den blinden Büchern sein. Alles: Die detaillierte Geschichte der Zukunft, die Ägypter von Aischylos, die präzise Anzahl von Gewässern des Ganges, in denen sich der Flügelschlag eines Falken widerspiegelt, die Geheimnisse Roms, die Enzyklopädie, für die Novalis Wissen gesammelt hatte, meine Träume und Tagträume in der Morgendämmerung des 14. Augusts 1934, den Beweis von Pierre de Fermats Theorem, die ungeschriebenen Kapitel des Geheimnisses von Edwin Drood […]“

Borges wusste damals noch nicht, was Computer nur wenige Jahrzehnte später leisten können. So nahm 77 Jahre später der amerikanische Autor Jonathan Basile die Idee wieder auf und erstellte 2015 virtuell mit Hilfe vieler Freunde und seiner Familie die totale Bibliothek.

Er nahm die Aussage der La Biblioteca Total, die „blinden Bücher“ betreffend, wörtlich und entwarf einen Algorithmus, welcher mit den im Englischen gebrauchten Zeichen: a-z (nur Kleinbuchstaben), dem Komma, dem Leerzeichen und dem Punkt (29 Zeichen oder Base-29) alle möglichen Kombinationen mit bis zu 3200 Stellen erstellt und diese in die Bibliothek speichert.

Wer jetzt denkt, dass die gesuchte Textstelle einfach auf Anfrage erstellt wird, der irrt sich.

Bibliothek Hexagon

 

 

Basil organisierte die Bibliothek in hexagonale Räume, jeden mit vier Bücherregalen und fünf Tablaren. Auf jedem Tablar sind 32 Bücherbände vorhanden, welche wiederum je 410 Seiten enthalten.

 

 

 

Die darin enthaltenen Texte erscheinen als Buchstabensalat. Beim Stöbern in den Seiten kommt schon eine gewisse Schatzsuchermentalität auf. Sucht man aber über die Suchfunktion einen bestimmten Satz, welcher bis zu 3200 Zeichen enthalten darf, dann wird man auf einmal fündig: Das Geschriebene - so abwegig das uns erscheinen mag - gab es schon!

Beim Lesen der virtuellen Bücher merkt man sehr bald, dass ein grosser Teil der Seiten unleserlich ist, weil sie aus zufälligen Kombinationen von Zeichen bestehen. Es sind sinnvolle wie unsinnige „Wörter“ und es wird nur äusserst selten gelingen, einen ganzen Satz darin zu finden, ausser man benutzt die Suchfunktion. Die Bibliothek zu Babel ist ein Experiment, das ebenso absurd wie faszinierend ist.

Diese Bibliothek wird ewig erweitert, die Kombinationen werden ununterbrochen gespeichert. Der Algorithmus kreiert fortlaufend neue Seiten. Die Bibliothek enthält noch nicht alle Seitenfolgen. Das ist übrigens fast unmöglich.

Wie funktioniert das?
Jede Buchseite welche vom Algorithmus erstellt wird, erhält eine einmalige und fortlaufende Seitennummer im Dezimalsystem, auch Base-10 genannt:

Bibliothek Base 29

 

Jede erstellte Buchstabenkombination ist in dieser Seitenzahl eingeschlossen. Diese Seitenzahl dient als Quelle, um dann über den Algorithmus immer die gleiche, viel längere Zahl für diese bestimmte Seite zu generieren. Diese viel längere Zahl wird dann als Base-29 und somit leserlich auf der Seite dargestellt.

Bibliothek Base 29 2

 

Was also auf diesen Seiten erstellt wurde, das existierte schon vor der Suchanfrage. Es wurde effektiv schon geschrieben, bevor man überhaupt auf die Idee gekommen ist, danach zu suchen. So gesehen existiert jeglicher vergangene und zukünftige Text, jeglicher schon geschriebene oder erst noch zu denkender Gedanke schon in der Bibliothek von Babel.

Dass dies auch mit deutschen Texten unter Verwendung des Base-29 funktioniert, kann man jederzeit selber versuchen (siehe drittes Hexagon, Tablar 3, Buch 1, Seite 210):

Bibliothek Satz

 

Wer jetzt an das „Infinite-Monkey-Theorem“, also das Theorem der endlos tippenden Affen denkt, liegt wohl nicht ganz falsch. Mit dem kleinen, aber nicht unwesentlichen Unterschied, dass diese Bibliothek effektiv existiert und die Affen noch nicht mal einen Buchstaben getippt haben.

Typing monkey svg

 

Das Infinite-Monkey-Theorem besagt, dass ein Affe, der unendlich lange zufällig auf einer Schreibmaschine herumtippt, fast sicher irgendwann alle Bücher der Nationalbibliothek Frankreichs schreiben wird.

 

 

Bibliothek Babel T

 

 

Zu diesem interessanten Thema finden Sie eine Dokumentation für die 4. bis 6. Klasse unter Sachtexte, Leseverstehen. Das Heft enthält den gesamten Text, Aufgaben und Verständnisfragen dazu sowie Worterklärungen auf A4-Plakaten: Bibliothek von Babel.

 

 

 

 Bilder:
- Library of Babel, mit freundlicher Genehmigung von Jonathan Basile
- Wikimedia Commons, KaterBegemot

 

 

Kommentare

Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht im Gästebuch.

Besucherzähler

Heute797
Gestern2027
Woche8655
Monat36918
Besucher4255244

Besuchen Sie auch die LehrmittelPerlen!

Lehrmittelperlen.net | Hauptseite
  • Die blaue Grotte


    holzfigur 980802 960 720

    Es war ein armer und einfacher Mann. Am Abend, nach einem harten Arbeitstag kehrte er müde und abgekämpft und schlecht gelaunt nach Hause. Grimmig schaute er zu den Leuten, die im Auto an ihm vorbeifuhren oder an den Tischen im Strassencafé sassen.

    „Die haben es gut“, brummte der Mann, dichtgedrängt im Tram wie eine Traube in der Weinpresse. „Sie wissen nicht, was es bedeutet, zu leiden … für sie besteht die Welt nur aus Rosen und Blumen. Wenn die mein Kreuz zu tragen hätten!“

    Der Herr hatte die Klagen des Mannes stets mit viel Geduld angehört. Dann, eines Abends erwartete er ihn vor seiner Haustüre.

    „Ach, du bist es, Herr?“, sagte der Mann, als er ihn bemerkte. „Versuche nicht, mich zu besänftigen. Du weißt genau, wie schwer das Kreuz ist, das du mir auferlegt hast.“ Der Mann war äusserst gereizt.

    Der Herr lächelte ihn gütig an. „Komm mit mir. Ich werde dir die Möglichkeit geben eine andere Wahl zu treffen“, sagte er.

    Plötzlich fand sich der Mann in einer riesigen blauen Grotte. Die Architektur war göttlich. Und es gab eine Menge Kreuze: grosse, kleine, gewundene, knochige, raue, goldene, stachelige …

    „Das sind die Kreuze der Menschen“, sagte der Herr, „wähle eines für dich aus.“ Der Mann warf sein Kreuz grob in eine Ecke, rieb sich die Hände und begann zu suchen.

    Er probierte es mit einem leichten Kreuz. Doch es war lang und sperrig. Er hängte sich ein Bischofskreuz um den Hals, doch dieses war unglaublich schwer, voller Verantwortung und Opfer. Ein anderes sah glatt und hübsch aus, doch kaum lag es auf den Schultern des Mannes, begann es zu stechen, als ob es aus lauter Nägeln bestünde.

    Er ergriff ein leuchtendes Kreuz aus Silber, doch damit überkam ihn ein entsetzliches Gefühl von Einsamkeit und Verlassenheit. Schnell legte er es wieder zurück. Er wählte, versuchte, wählte wieder, doch jedes Kreuz hatte irgendeinen Mangel.

    Endlich entdeckte er in einer halbdunklen Ecke ein kleines Kreuz, das vom vielen Gebrauch etwas abgenutzt war. Es war weder schwer, noch zu sperrig. Es schien genau passend für ihn zu sein. Der Mann nahm es auf seine Schultern und rief triumphierend: „Das nehme ich!“ So verliess er die Grotte.

    Der Herr richtete seinen gütigen Blick lange, sehr lange auf ihn. Und in diesem Augenblick merkte der Mann, dass er genau sein altes Kreuz zu sich genommen hatte. Jenes, das er beim Eintritt in die Grotte in die Ecke geschmissen hatte. Jenes, das er schon sein ganzes Leben lang mit sich getragen hatte.

    Quelle: Bruno Ferrero, Qumran2
    Bild: Pixabay, Counselling, Public Domain CC0

  • Intelligenter Online-Übersetzer


    DeepL

    Auf Linkroama.ch habe ich einen interessanten Hinweis auf den Online Dolmetscher DeepL gelesen. Der Dienst hebt sich stark von den gängigen Online-Übersetzern ab und ist in der Lage, auch komplexere Satzkonstruktionen erstaunlich gut und sprachlich beinahe perfekt zu übersetzen.

    Hier ein verblüffendes Beispiel mit einem englischen Text aus Independent.co.uk:

    EU president Jean-Claude Juncker told his Brexit negotiating team that David Davis is “jeopardising” talks with his instability and lack of involvement, according to minutes published by the European Commission.
    The minutes from a meeting in July this summer record that the Commission President “expressed his concern about the question of the stability and accountability of the UK negotiator and his apparent lack of involvement, which risked jeopardising the success of the negotiations”.
    Speaking to reporters in Brussels on Thursday a European Commission spokesperson downplayed the comments.

    Der deutsche Text, übersetzt mit DeepL:

    EU-Präsident Jean-Claude Juncker sagte seinem Verhandlungsteam von Brexit, dass David Davis die Gespräche durch seine Instabilität und mangelnde Beteiligung "gefährde", so das Protokoll der Europäischen Kommission.
    In dem Protokoll einer Sitzung im Juli dieses Sommers wird festgehalten, dass der Kommissionspräsident "seine Besorgnis über die Frage der Stabilität und Rechenschaftspflicht des britischen Verhandlungsführers und seine offenkundig mangelnde Einbeziehung zum Ausdruck brachte, was den Erfolg der Verhandlungen zu gefährden drohte".
    Ein Sprecher der Europäischen Kommission hat am Donnerstag in Brüssel vor Journalisten gesprochen und die Kommentare heruntergespielt.

    Link: DeepL Online-Übersetzer

  • Klassenspiele (10)


    Klassenspiele Transp

    10. Wir bauen einen Satz

    • Die Schüler kommen im Sitzkreis zusammen.
    • Die Lehrperson beginnt mit dem Wort „Ein“ und zeigt auf einen Schüler.
    • Dieser wiederholt das Wort, gibt ein zweites Wort dazu und zeigt auf einen nächsten Schüler.
    • Dieser wiederholt die beiden Wörter und fügt ein drittes Wort zum Satz.
    • Das Spiel geht so weiter, bis der Satz beendet ist.
    • Ein neues Satz kann beginnen.

    Dieses Spiel kann auch in Gruppen gespielt werden.

    Bild: © Fotolia, Robert Kneschke

  • Herbstliches Basteln
  • Forschen: Tierwanderung (Zugvögel und andere Tiere, die migrieren)


    Forscherkarten Tierwanderung T Forscherkarten Tierwanderung 1 Forscherkarten Tierwanderung 2

    Während die Migration der Zugvögel schon in den unteren Klassen thematisiert wird, lernen die Schülerinnen und Schüler hier, wie und weshalb auch andere Tiere wandern, wie sie sich orientieren, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind usw.

    Wie immer gibt es zu den 20 Forscherkarten zusätzliche „Projektkarten“ mit kreativen Aufträgen und speziellen Aufgaben zur Tierwanderung / Migration und Orientierung.

    Die farbigen Forscherkarten können Sie mehrfach ausdrucken, ausschneiden und laminieren, so dass die Kinder sie zu sich an den Platz nehmen und in Ruhe die Lösungen auf dem passenden Antwortblatt eintragen können. Sie sind ideal für schnelle Schüler und Kinder mit vielseitigen Interessen. Wer schafft am meisten Forscherkarten?

    Download: Forscherkarten Tierwanderung / Migration

    Zielgruppe: 4. - 6. Klasse
    Bezug Lehrplan 21: NMG 2.1 c, d    NMG 4.1 d, e, f

  • Moses und die Zehn Gebote


    Gebote kath T Gebote ev T Moses T

    Mit diesen Heften werden die Schüler auf verschiedene Arten mit den Zehn Geboten vertraut:

    Im Moses-Heft ist die biblische Geschichte von Moses und wie er von Gott die Zehn Gebote erhielt, als Lesetext zusammengefasst.

    Die Zehn Gebote stehen in der katholischen und in der evangelisch-reformierten Version zur Verfügung; sie unterscheiden sich vor allem in einem wesentlichen Punkt („Du sollst dir kein Bildnis machen“).

    Das Lehrmittel eignet sich nicht nur für den Religionsunterricht. Ich habe versucht, die Zehn Gebote aus der Bibel mit dem Leben in der heutigen Welt zusammenzubringen und zu erklären, bzw. Denkanstösse zu geben. Anhand von Arbeitsblättern und Aufgabenkarten setzen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den Zehn Geboten auseinander.

    Gebote 1 Gebote 4 Gebote 3

    Download: Moses und die Zehn Gebote

    Zielgruppe: 3. - 5. Klasse
    Bezug Lehrplan 21: ERG.4.1 ERG.4.2 c 

  • Knacknuss 353


    Knack353

    Antworten bitte im Kommentar. Für die erste richtige Lösung gibt es 10 Nüsse und für 100 Nüsse einen Preis zu gewinnen. Pro Person ist nur eine Antwort erlaubt. Viel Glück!


    Zu diesem Rätsel habe ich eine lesenswerte Rückmeldung von Alex Gastel erhalten, die ich allen sprachlich interessierten Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchte:

    „Aus linguistischer Sicht funktioniert das Rätsel so nicht. Man kann keine Aussage dazu machen, ob der Sprecher die Person ("sie") liebt oder nicht. Denn fast alle benutzten Verben sagen nichts über den Wahrheitsgehalt der Aussage aus. Das wird in der Linguistik mit dem Verneinungstest belegt, bei dem man noch einen Satz anhängt:

    Ich behaupte, sie zu lieben. Es stimmt aber nicht. -> kein logischer Widerspruch
    Ich habe vor, etwas zu behaupten. Ich werde es aber nicht tun. -> kein logischer Widerspruch
    Ich bestreite das. Obwohl es wahr ist. -> kein logischer Widerspruch

    Alle Verben funktionieren sowohl, wenn die darauf folgende Aussage wahr ist als auch wenn sie falsch ist. Darum kann die Frage in der Knacknuss überhaupt nicht beantwortet werden, weil Sprache so nicht funktioniert. Es gibt andere Verben, die die Wahrheit oder Falschheit der Aussage voraussetzen (präsupponieren wäre der Fachbegriff), zum Beispiel "wissen". Das sieht man dann auch am Test:

    Ich weiß, dass ich sie liebe. Doch es stimmt nicht. -> führt zu einem logischen Widerspruch

    Wenn die Knacknuss auf logisch-linguistischer Ebene funktionieren soll, müsste man nur solche Verben nehmen. Zum Beispiel:

    Knack353 2

    So kann man die Frage ("Liebte der Sprecher sie?") beantworten - allerdings wird es so auch viel einfacher, weil jetzt die Sprachintuition einsetzen kann und die Frage beantwortet, ohne dass man Verneinungen und Bejahungen gegeneinander aufrechnen muss.

    Ich hoffe, ich konnte das Problem konstruktiv schildern und habe euch nicht mit der Erläuterung genervt! Die Knacknuss hat mich einfach an meiner linguistischen Leidenschaft gepackt. :-)“.

    Ich freue mich über diesen konstruktiven Beitrag und danke Alex Gastel, dass er sich die Mühe dieses interessanten Kommentares gemacht hat.